Ein öffentlicher Ordnungsrahmen, in dem Bürgerinnen und Bürger eigenes Kapital in frühe Innovation lenken. Der Staat garantiert das Verfahren, nicht das Ergebnis.
CIVINCO macht privates Haushaltskapital für frühe Innovation investierbar. Unter Bedingungen von Transparenz, begrenztem Risiko und vermittelter Komplexität.
CIVINCO ist
ein öffentlich verantworteter Ordnungsrahmen für Citizen Investorship. Private Haushalte entscheiden selbst, in welche frühen Vorhaben sie investieren, jeweils mit einer Mikroinvestition. Ein öffentlicher Träger führt das Verfahren, ein unabhängiges Expert Advisory Committee (EAC) sichert als Fachbeirat die Informationsqualität.1
CIVINCO ist nicht
- ein privater Vermittler, der an Provisionen verdient
- ein Renditeprodukt mit Versprechen
- ein Fonds, weder staatlich noch privat: Niemand entscheidet für die Bürger
- ein Programm, das öffentliches Geld verteilt
Verfahren ohne Auswahl
Der Staat macht Bürgerinvestitionen öffentlich nachvollziehbar und rechenschaftspflichtig. Er wählt keine Gewinner aus.
Vermittlung vor der Wahl
Weil Menschen das Ungewohnte meiden, wird die Komplexität früher Vorhaben in vergleichbare Form übersetzt, bevor jemand entscheidet.
Begrenztes, verteiltes Risiko
Mikroinvestitionen sind gedeckelt und über mehrere Vorhaben gestreut. Niemand trägt ein unverhältnismäßiges Einzelrisiko.
Sechs Rollen, klar getrennt. Kapital kommt ausschließlich von den Bürgern.
Mikroinvestition
Der kleine, gedeckelte Betrag, den eine Person selbst in ein von ihr gewähltes Vorhaben investiert.
Schwarminvestition
Die Summe vieler Mikroinvestitionen in dasselbe Vorhaben. Sie ersetzt keine Einzelentscheidung, sie besteht aus ihnen.
Kumulierung
Die regelgebundene Zusammenrechnung der Mikroinvestitionen je Vorhaben. Ohne Ermessen, ohne Umverteilung zwischen Vorhaben.
Citizen Investorship
Das Leitprinzip: Bürgerinnen und Bürger sind eigenständige Investoren. Sie entscheiden selbst, kein Fonds entscheidet für sie.
| Akteur | Aufgabe | Ausdrücklich nicht |
|---|---|---|
| Land (Ministerium) | Eigentümer des Ordnungsrahmens: schafft die Rechtsgrundlage, beauftragt den Träger, beaufsichtigt die Zweckerfüllung. | Kein Investitionsentscheider, kein Kapitalgeber |
| Öffentlicher Träger | Vom Land beauftragte öffentliche Stelle: führt das Verfahren, steuert den Zulauf, stellt das kuratierte Portfolio bereit, ist Schnittstelle zu Gründungen. | Kein Kapitalgeber im Portfolio, keine Anlageempfehlung, keine Auswahl für die Bürger |
| EAC (Fachbeirat) | Unabhängige, rein fachliche Instanz: Zulassungsprüfung, Übersetzung in einheitliche Profile und Kuratierung nach veröffentlichten Regeln. | Keine Finanzierungsentscheidung, keine finanziellen Interessen |
| Bürgerinnen und Bürger | Die eigentlichen Entscheider: wählen selbst je Vorhaben und investieren eigenes Kapital als Mikroinvestitionen, gebunden durch Obergrenzen. | Kein Zwang, keine unbegrenzte Belastung |
| Technischer Dienstleister | Plattform und Zahlungsabwicklung, in regulären Verfahren beauftragt. | Keine Entscheidungsmacht, keine Auswahl |
| Finanzaufsicht (BaFin) | Aufsichtsrechtliche Kontrolle, je nach rechtlicher Ausgestaltung. | Keine operative Beteiligung |
Keine der öffentlichen Stellen investiert im Portfolio. Das unterscheidet CIVINCO von Vertriebsmodellen, die sich über Provisionen finanzieren.
Vom Vorhaben zur Finanzierung in sieben Schritten. Jeder Schritt ist dokumentiert und öffentlich nachvollziehbar.
- 01
Zulauf
Start-ups bewerben sich. Der Träger kann Vorhaben einbringen, die in bestehenden Programmen noch keine Förderung erhalten, etwa sehr frühe Vorhaben vor dem ersten Nachweis.
- 02
Zulassung
Das EAC prüft anhand fester Kriterien Struktur, Unterlagen, Entwicklungsstand und Ziele. Zulassung ist keine Empfehlung.
- 03
Profil
Jedes zugelassene Vorhaben erhält ein einheitliches Profil, den Venture Brief: Technik, Markt, Finanzen und Risiken in vergleichbarer Form.
- 04
Portfolio
Das Portfolio wird so zusammengestellt, dass auch abstrakte, technologieintensive Vorhaben einen festen Platz haben.
- 05
Entscheidung
Bürgerinnen und Bürger wählen im kuratierten Portfolio selbst, in welche Vorhaben sie investieren, jeweils als Mikroinvestition unterhalb staatlich gesetzter Obergrenzen. Niemand entscheidet für sie.
- 06
Kumulierung
Je Vorhaben werden die Mikroinvestitionen zur Schwarminvestition kumuliert. Der Träger macht nachvollziehbar, wie aus vielen Einzelentscheidungen eine Finanzierung wird.
- 07
Rückmeldung
Regelmäßige Berichte zur Entwicklung der Vorhaben und des Portfolios. Aus Erfahrung wird Urteilskraft.
Wer anderswo zu früh ist, bekommt hier eine zweite Chance. Ohne dass der Träger mehr entscheiden muss.
Bestehende Programme lehnen Vorhaben mitunter nicht wegen mangelnder Qualität ab, sondern weil sie für das jeweilige Programm zu früh sind: Es fehlt noch der Nachweis, dass die Technik trägt. Genau diese Vorhaben kann der Träger, mit Einverständnis der Gründer, über ein standardisiertes Formular in das CIVINCO-Portfolio überleiten. Vorhandene Antragsunterlagen werden dabei weiterverwendet.1
Damit liegt der demokratische Kern des Modells genau an der Stelle, an der ein Vorhaben heute aus dem System fällt: Wo die Fachprüfung eines Programms „noch nicht“ sagt, können Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob sie dem Vorhaben dennoch eine Chance geben.
Was der Träger tut
- Verfahren führen und beaufsichtigen
- Zulauf steuern und Übergaben annehmen
- Kumulierung je Vorhaben dokumentieren
- Regelmäßig berichten
Was dem Träger erspart bleibt
- Investitionsentscheidungen je Vorhaben
- Eine eigene Prüfung je Beteiligung: Das EAC prüft einmal nach festen Kriterien
- Die Bereitstellung öffentlichen Kapitals
- Beteiligungsmanagement und Anlageberatung
- Die Zahlungsabwicklung, die ein beauftragter Dienstleister übernimmt
Das Modell ist so angelegt, dass der Aufwand beim Träger mit der Zahl der Vorhaben kaum wächst: Entscheidungen verteilen sich auf viele Bürgerinnen und Bürger, Prüfung und Profil folgen einem einheitlichen Standard. Wie hoch der Aufwand konkret ist, soll das Kostenmodell der Phase 0 klären.
Legitimität, Vermittlung, geteilte Verantwortung. Jede Säule ist eine Antwort auf ein benanntes Problem.
Verfahrenslegitimität
Antwort auf das Vertrauensdefizit
Die Kumulierung vieler Mikroinvestitionen zu einer Schwarminvestition ist vollständig nachvollziehbar. Die Verteilung folgt festen Regeln, ohne Ermessen und ohne informelle Vermittler. Teilnehmende erhalten regelmäßig Berichte zur Entwicklung der Vorhaben und des Portfolios.
Das schafft Verfahrensvertrauen: die Gewissheit, dass mit dem eigenen Beitrag geschieht, was zugesagt ist. Es schafft kein Vertrauen in die Qualität einzelner Vorhaben, und CIVINCO behauptet das auch nicht. Legitimität ist notwendig für breite Beteiligung, aber nicht hinreichend für gute Entscheidungen.12
Warum ein öffentlicher Träger?
- Glaubwürdig, gerade im Verlust. Ein Frühphasenportfolio enthält Ausfälle. Neutral muss der Träger genau dann bleiben. Wer an Gebühren oder Provisionen verdient, hat andere Anreize.
- Reichweite als Auftrag. Der Wert des Modells wächst mit breiter und vielfältiger Beteiligung. Ein öffentlicher Träger verfolgt das als Auftrag, nicht als Marketingkosten.
- Passend zum Problem. Die Zurückhaltung der Haushalte gründet in fehlendem Vertrauen in Institutionen. Ein Träger mit öffentlicher, regelgebundener Legitimität trifft genau dieses Defizit.
Plattform und Zahlungen können an beaufsichtigte Dienstleister vergeben werden. Die Garantie des Verfahrens ist ein öffentliches Gut.
Informationsvermittlung
Antwort auf die Komplexität
Das EAC, besetzt mit Fachleuten für Wagniskapitalbewertung, Finanz- und Risikoanalyse, Technologiebewertung und Branchendynamik, übersetzt die Komplexität früher Vorhaben in entscheidungsrelevante Form. Es hält keine Anteile an den geprüften Unternehmen und ist von politischem Einfluss und privaten Finanzinteressen getrennt.
Zulassung ist keine Empfehlung
Das EAC prüft, ob ein Vorhaben die Verfahrensvoraussetzungen erfüllt, nicht, ob es eine Finanzierung verdient. Das schützt die Entscheidungsfreiheit der Bürger und begrenzt das Reputationsrisiko des Staates.
Lesbar, nicht verlockend
Die einheitlichen Profile sind eine bewusste Gegenmaßnahme gegen den Hang zum Vertrauten. Sie sollen ein abstraktes Deep-Tech-Vorhaben verständlich machen, nicht attraktiv. Vergleichbarkeit ist ihr Ordnungsprinzip, nicht Überzeugungskraft.
Regelmäßige Rückmeldungen zum Portfolio schließen den Kreis: Wer wiederholt mit geprüften Informationen und beobachtbaren Ergebnissen arbeitet, schärft sein Urteil, ohne Analyst werden zu müssen.
Geteilte Verantwortung
Antwort auf das Einzelrisiko
Staatlich gesetzte Höchstbeträge je Vorhaben und je Kalenderjahr sowie eine Obergrenze für die gesamte Jahresbeteiligung je Haushalt verhindern eine übermäßige Bindung, auch dann, wenn jemand es wollte. Sie erzwingen die Mikroinvestition. Die konkreten Beträge setzt der Gesetzgeber.
Jede Person verteilt ihre Mikroinvestitionen auf mehrere Vorhaben, und je Vorhaben sammelt sich das Kapital vieler Menschen. So entsteht Streuung auf beiden Seiten.
Das EAC ist die Stellschraube des Modells. Es prüft und übersetzt, aber es entscheidet nicht.
Das Expert Advisory Committee übersetzt die Komplexität früher Vorhaben in eine Form, auf deren Grundlage Laien vergleichbar entscheiden können. Seine Rolle ist fachlich, nicht zuteilend: Es bestimmt nicht, wer Geld erhält, sondern unter welchen Informationsbedingungen die Bürger entscheiden.1
Weil die Stärke dieser Vermittlung darüber entscheidet, ob CIVINCO die Kapitalverteilung verbessert oder verschlechtert, ist das EAC das Bauteil, an dem das Modell gelingt oder scheitert.
Wagniskapitalbewertung
Bewertet Geschäftsmodell, Finanzierungsbedarf und Meilensteine wie ein Frühphaseninvestor.
Finanz- und Risikoanalyse
Prüft Finanzangaben, Kapitalstruktur und Risiken und macht sie vergleichbar.
Technologiebewertung
Beurteilt Reifegrad, Machbarkeit und Neuheit der Technik, gerade bei Deep-Tech.
Branchen- und Innovationsdynamik
Ordnet Markt, Wettbewerb und Entwicklungspfade der jeweiligen Branche ein.
Verbraucherschutz und Finanzbildung
Sichert, dass Profile und Risikohinweise für Laien verständlich und nicht werblich sind.
ergänzend vorgeschlagenRecht und Aufsichtsrecht
Prüft die Zulassungsvoraussetzungen und die Einhaltung der Verfahrensregeln.
ergänzend vorgeschlagenZulassung
Prüft Struktur, Finanzangaben, Entwicklungsstand und Ziele nach veröffentlichten Kriterien. Zulassung ist keine Empfehlung.
Profil
Erstellt für jedes Vorhaben ein einheitliches Profil. Maßstab ist Vergleichbarkeit, nicht Überzeugungskraft.
Kuratierung
Stellt das Portfolio nach veröffentlichten Regeln so zusammen, dass auch abstrakte, technologieintensive Vorhaben einen festen Platz haben.
Rückmeldung
Berichtet über die Entwicklung der Vorhaben und des Portfolios, damit Teilnehmende ihr Urteil schärfen können.
Unabhängigkeit
- Keine Anteile: Mitglieder halten keine finanziellen Beteiligungen an geprüften Vorhaben.1
- Keine Weisungen: Das EAC ist von politischem Einfluss und privaten Finanzinteressen getrennt.1
- Befangenheit offenlegen: Wer in einer Verbindung zu einem Vorhaben steht, wirkt an dessen Prüfung nicht mit.
- Öffentliche Kriterien: Zulassungskriterien und Profilformat werden veröffentlicht.
- Befristete Mandate: Mitglieder werden auf Zeit berufen, damit das EAC nicht erstarrt.
Die ersten beiden Punkte und die vier Fachgebiete mit Quellenverweis stammen aus dem Working Paper. Die übrigen Regeln und die beiden zusätzlichen Fachgebiete sind Vorschläge zur Ausgestaltung.
CIVINCO beseitigt das Risiko nicht. Es begrenzt und verteilt es.
Auf der Einzelebene hält die geringe Beitragshöhe die Belastung klein. Auf der Portfolioebene wird sie über verschiedene Vorhaben gestreut. Auf der Systemebene wird das Frühphasenrisiko von einer breiten Teilnehmerbasis gemeinsam getragen.
Der Totalausfall einer einzelnen Mikroinvestition bleibt möglich. Der Staat garantiert keine Rendite und übernimmt keine Verluste; er gewährleistet die Integrität des Verfahrens. Der politische Worst Case, dass jemand seine Ersparnisse verliert, soll durch Deckelung, Kleinteiligkeit und Streuung konstruktiv ausgeschlossen werden.
Streuung begrenzt den Schaden des Einzelnen und gleicht zufällige Fehlurteile aus. Systematische Verzerrungen gegen Neues korrigiert sie nicht; dafür braucht es Vermittlung und Kuratierung. Deshalb ergänzen sich die Säulen B und C, statt sich zu ersetzen.
Breite Beteiligung verbessert die Kapitalverteilung nicht von selbst. Ob sie es tut, hängt von einer benennbaren Bedingung ab.
Verstreute, nicht professionelle Anlegerinnen und Anleger bevorzugen Vertrautes und Verständliches. Radikal neue Vorhaben schneiden beim Crowdfunding schlechter ab als schrittweise Verbesserungen.3 Im direktesten Vergleich von Menge und Fachleuten stimmen beide weitgehend überein, und wo sie abweichen, finanziert die Menge eher, was Fachleute ablehnen. Nach Neuheit bewertet sie aber nicht höher.4
Daraus folgt: Die Menge ist großzügig, aber entlang einer Dimension, die mit technologischer Neuheit nicht zusammenfallen muss. Ohne Gegenmaßnahme würde CIVINCO Neues strenger filtern als das Kapital, das es ergänzen soll. Die entscheidende Stellschraube ist deshalb die Stärke der Informationsvermittlung.1
Abschlag für das Ungewohnte
Ohne Vermittlung finanzieren Bürger abstrakte, technologieintensive Vorhaben seltener als ein Expertenmaßstab, bei gleicher Qualität.
Vermittlung als Moderator
Einheitliche, vergleichbare Profile verkleinern diesen Abschlag, je stärker die Vermittlung, desto mehr.
Korrektur durch das Portfolio
Streuung und Kuratierung mildern die Folgen einzelner Verzerrungen auf Systemebene.
Bedingte Überlegenheit
CIVINCO verbessert die Allokation gegenüber dem Status quo nur, wenn P2 und P3 zusammen stark genug sind, um P1 aufzuwiegen. Sonst verschlechtert es sie.
Vier Erfolgsbedingungen
- Ausreichende Vermittlung: Die Profile verkleinern den Abschlag so weit, dass Deep-Tech nicht systematisch unterfinanziert wird.
- Integre Kuratierung: Neue Vorhaben haben im Portfolio einen echten Platz und werden nicht vorab aussortiert.
- Breite Beteiligung: Die Teilnehmenden sind zahlreich und vielfältig genug, damit sich Einzelverzerrungen ausgleichen.
- Neutraler Träger: Das Verfahren bleibt auch im Verlustfall glaubwürdig.
Das offene Benennen der Fehlerquellen ist keine Absicherung, sondern der Kern: Es zeigt, was gemessen und was geschützt werden muss.
Jede Annahme ist prüfbar. Ein begrenzter Pilot ist der Anfang, nicht das Ziel.
| Frage | Messgröße | Vorgehen |
|---|---|---|
| Finanzieren Bürger Neuheit zu wenig? | Neuheitsprofil der finanzierten gegenüber den zugelassenen Vorhaben | Vergleich der Bürgerentscheidungen mit verdeckten Expertenbewertungen derselben Vorhaben |
| Verkleinert Vermittlung den Abschlag? | Abschlag für das Ungewohnte in Abhängigkeit von der Vergleichbarkeit der Profile | Zufällige Variation des Profilformats zwischen Vorhaben oder Gruppen |
| Korrigiert das Portfolio Verzerrungen? | Neuheitsprofil des Portfolios gegenüber Einzelentscheidungen | Vergleich mit dem Szenario unvermittelter Einzelwahl |
| Ist CIVINCO besser als der Status quo? | Überleben, Anschlussfinanzierung und Neuheit der finanzierten Vorhaben | Gestufter Pilot mit Vergleichsgruppe aus herkömmlichen Frühphasenkanälen |
| Ist die Beteiligung breit und dauerhaft? | Teilnahmetiefe, Verbleib, Repräsentativität | Längsschnittbeobachtung der Teilnehmenden |
Die wichtigste Messgelegenheit liegt im EAC: Weil Zulassung und Auswahl getrennt sind, lässt sich jede Bürgerentscheidung mit einer verdeckten Expertenbewertung derselben Vorhaben vergleichen.1
Prüfung
Rechtlicher Rahmen, aufsichtsrechtliche Einordnung und Kostenmodell.
Pilot
Regional und fachlich begrenzt, als Forschungsvorhaben mit Evaluation.
Land
Ausweitung, wenn die Erfolgsbedingungen belegt sind.
Die aufsichtsrechtliche Einordnung hängt von der Ausgestaltung ab, etwa nach Vermögensanlagengesetz, europäischer Crowdfunding-Verordnung oder Kapitalanlagegesetzbuch.6 Sie zu klären ist Aufgabe der Phase 0.
Die naheliegenden Fragen. Und die kurzen Antworten.
Ist CIVINCO nicht einfach INVEST für alle?
Nein. INVEST verbilligt Business Angels eine Investition, zu der sie ohnehin Zugang haben. CIVINCO eröffnet den Zugang erst, für Haushalte, die ihn strukturell nicht haben, und zwar ohne ihre Investition notwendig zu subventionieren. Der Staat gibt bei CIVINCO kein Kapital.
Ist das ein Staatsfonds?
Nein. Kein öffentliches Geld fließt ins Portfolio, und keine öffentliche Stelle wählt Vorhaben aus. Der Staat garantiert das Verfahren, nicht das Ergebnis.
Ist CIVINCO ein Fonds?
Nein. In einem Fonds entscheidet ein Management, wohin gemeinsames Kapital fließt. Bei CIVINCO wählt jede Bürgerin und jeder Bürger im kuratierten Portfolio selbst, in welche Vorhaben die eigenen Mikroinvestitionen gehen. Kumuliert wird je Vorhaben nur, was die Einzelnen gewählt haben: Daraus entsteht die Schwarminvestition, nicht aus einer Entscheidung des Trägers.
Was unterscheidet CIVINCO vom Crowdinvesting?
Private Plattformen finanzieren sich über Gebühren und Vermittlung. Das Anlagebasisinformationsblatt erstellt der Projektträger selbst; eine unabhängige fachliche Prüfung der Vorhaben ist nicht vorgesehen. CIVINCO setzt auf einen öffentlichen Träger ohne Erwerbsinteresse, geprüfte und vergleichbare Profile, verpflichtende Streuung und feste Obergrenzen.
Können Bürger Geld verlieren?
Ja. Eine einzelne Mikroinvestition kann vollständig ausfallen. CIVINCO beseitigt das Risiko nicht, es begrenzt und verteilt es so, dass haushaltsrelevante Schäden durch Obergrenzen, Kleinteiligkeit und Streuung ausgeschlossen werden sollen. Der Staat garantiert keine Rendite und übernimmt keine Verluste.
Wer haftet, wenn ein Vorhaben scheitert?
Die Zulassung durch das EAC ist keine Empfehlung, und der Träger führt das Verfahren, ohne zu beraten. Verluste sind ein erwartbarer Teil eines Frühphasenportfolios und werden offen ausgewiesen, nicht verschwiegen.
Funktioniert das überhaupt?
Das ist die richtige Frage, und sie ist offen. CIVINCO ist ein ungetestetes Modell mit klar benannten Erfolgsbedingungen. Deshalb gehört eine Evaluationsarchitektur zum Entwurf und ein begrenzter Pilot zum Anfang.
- Steiner, T. M. (2026): Collective Risk-Sharing in Innovation Finance: An Institutional Model of Citizen Investorship. SSRN Working Paper. doi.org
- Luhmann, N. (1968): Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Stuttgart: Enke.
- Chan, C. S. R. & Parhankangas, A. (2017): Crowdfunding Innovative Ideas: How Incremental and Radical Innovativeness Influence Funding Outcomes. Entrepreneurship Theory and Practice, 41(2), 237–263.
- Mollick, E. & Nanda, R. (2016): Wisdom or Madness? Comparing Crowds with Expert Evaluation in Funding the Arts. Management Science, 62(6), 1533–1553.
- Europäische Kommission (2025): Savings and Investments Union, Strategie vom 19.03.2025. finance.ec.europa.eu
- Verordnung (EU) 2020/1503 über Europäische Schwarmfinanzierungsdienstleister; ESMA Q&A 2437. esma.europa.eu
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